Euro STOXX 50
-27.9000
Für viele in Teilzeit beschäftigte Frauen lohnt sich wegen des Ehegattensplittings eine Aufstockung ihrer Arbeitszeit nicht. In einer am Donnerstag vorgestellten Studie der Bertelsmann-Stiftung gaben 50 Prozent der verheirateten Frauen zwischen 45 und 66 Jahren an, eine Aufstockung lohne sich für sie finanziell nicht.
Von denjenigen, die gar nicht arbeiteten, sagten immerhin knapp 35 Prozent, für sie lohne sich eine Erwerbstätigkeit nicht. Die meisten Frauen aus dieser Gruppe arbeiteten allerdings aus gesundheitlichen Gründen nicht.
Beim Ehegattensplitting werden verheiratete Paare mit großen Einkommensunterschieden steuerlich belohnt. Je größer der Einkommensunterschied ist, desto höher ist auch der Steuervorteil bei der gemeinsamen Steuererklärung. Wird die Arbeitszeit des geringer Verdienenden erhöht, schmilzt der Vorteil und es bleibt vom Mehrverdienst meist netto nur wenig übrig. Daran gibt es seit langem Kritik, da das Splitting den Geringverdienenden den Anreiz zur Arbeit nimmt - häufig sind das Frauen in Teilzeit, Minijobs oder ohne Erwerbsarbeit.
In einem hypothetischen Szenario der getrennten Veranlagung ergab sich laut der Studie "großes Potenzial für mehr Beschäftigung". Dies könne die Erwerbsquote von Frauen in der Altersgruppe um fast 1,5 Prozentpunkte erhöhen, was einer Ausdehnung des Arbeitsvolumens um bis zu 175.000 Vollzeitstellen entsprechen würde. Die Studie schlägt dabei nicht nur vor, das Ehegattensplitting zu reformieren, sondern auch die besondere steuerliche Behandlung von Einkünften aus Minijobs abzuschaffen.
Zugleich betonte die Studie, dass der Effekt durch eine "geteilte Sorgearbeit und gute Arbeitsbedingungen" noch verstärkt würde. Wurde in dem hypothetischen Szenario von einer hälftig zwischen den Partnern aufgeteilten Sorgearbeit und angenehmen Arbeitsbedingungen mit hoher Flexibilität ausgegangen, stieg auch die Bereitschaft zur Mehrarbeit.
Für die Studie wurden im Auftrag der Stiftung im Juni und Juli vergangenen Jahres 3788 Frauen von 45 bis 66 Jahren durch das DIW Berlin befragt.
B.Chan--ThChM