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Der französische Rechtspopulist Jordan Bardella hat nach Angaben seiner Partei Rassemblement National (RN) vor einigen Wochen den deutschen Botschafter in Paris getroffen. Bardella treffe "als Vorsitzender des RN und als Fraktionschef im Europäischen Parlament zahlreiche Botschafter", hieß es nun in seinem Umfeld. Er halte Deutschland für einen "unverzichtbaren Partner Frankreichs" und schätze die deutsch-französischen Beziehungen. Bei dem Treffen im Februar sei es auch um "Haushaltsdisziplin" gegangen, die den Deutschen wichtig sei. Bardella liegt derzeit mit rund 34 Prozent in Umfragen zur Präsidentschaftswahl 2027 in der ersten Runde vorn.
Die deutsche Botschaft äußerte sich nicht zu dem Treffen. "Es ist Aufgabe einer Auslandsvertretung, mit allen politischen Kräften des jeweiligen Gastlands Kontakte zu unterhalten", hieß es lediglich in diplomatischen Kreisen. Botschafter Stephan Steinlein ist seit 2023 in Paris; er war zuvor unter anderem Chef des Bundespräsidialamtes, Staatssekretär im Auswärtigen Amt und Büroleiter des damaligen Kanzleramtschefs Frank-Walter Steinmeier.
Der RN gibt sich grundsätzlich europaskeptisch und hat sich bislang nicht sonderlich für die deutsch-französischen Beziehungen interessiert. RN-Fraktionschefin Marine Le Pen hatte die Zusammenarbeit mit der AfD 2024 aufgekündigt, weil diese ihr zu rechtsradikal wurde.
Le Pen traf ihrerseits mit dem israelischen Botschafter in Paris zusammen, ein ebenfalls diskretes Treffen, von dem es keine Bilder gibt. Es gilt als ein symbolischer Sieg für ihre Strategie der "Entdiabolisierung" ihrer Partei, mit der sie sich von der offen antisemitischen Haltung ihres Vaters, des Parteigründers Jean-Marie Le Pen, entfernt hat.
Weniger überraschend: Le Pen und Bardella wurden bereits im Dezember vom Pariser US-Botschafter Charles Kushner empfangen - was dieser mit einem Foto in Onlinediensten unterlegte. Der US-Botschafter ist der Vater von Jared Kushner, dem Schwiegersohn des rechtspopulistischen US-Präsidenten Donald Trump.
Ob der 30 Jahre alte Bardella bei der Präsidentschaftswahl 2027 antritt, hängt davon ab, ob und in welcher Form Le Pen im Juli im Berufungsverfahren um veruntreute EU-Gelder erneut verurteilt wird. Falls sie infolge des Urteils nicht antreten darf, soll Bardella kandidieren. Nach den jüngsten Umfragen würde Bardella in der ersten Runde leicht besser abschneiden als Le Pen. In der Stichwahl würde er gegen den Mitte-Rechts-Kandidaten Édouard Philippe aber verlieren. Die Umfragen haben jedoch noch wenig Aussagekraft, da noch nicht klar ist, welche Kandidaten antreten werden. Die Wahl ist für April 2027 geplant.
B.Carter--ThChM