The China Mail - Sexueller Missbrauch an Kindern: Digitale Gewalt nimmt zu - auch wegen KI

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Sexueller Missbrauch an Kindern: Digitale Gewalt nimmt zu - auch wegen KI
Sexueller Missbrauch an Kindern: Digitale Gewalt nimmt zu - auch wegen KI / Foto: © AFP

Sexueller Missbrauch an Kindern: Digitale Gewalt nimmt zu - auch wegen KI

Die Fälle von sexuellem Missbrauch an Minderjährigen haben erneut zugenommen - einen starken Anstieg gab es insbesondere bei jugendpornografischen Inhalten. Laut dem am Dienstag vorgestellten "Bundeslagebild Sexualdelikte zum Nachteil von Kindern und Jugendlichen" spielen Straftaten im Internet und der Einsatz von KI eine immer größere Rolle. "Digitale sexualisierte Gewalt ist Alltag für Jugendliche - Mädchen wie Jungs", sagte die Unabhängige Missbrauchsbeauftragte Kerstin Claus.

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Bei den Zahlen zu Sexualdelikten an Kindern und Jugendlichen gebe es "in Teilen einen dramatischen Anstieg", sagte Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) bei der Vorstellung des Lagebilds. Demnach ist die Zahl der Fälle im Jahr 2025 in vielen Bereichen gestiegen. Besonders im Zusammenhang mit jugendpornografischen Inhalten verzeichnet der Bericht im Jahresvergleich einen deutlichen Zuwachs um 19,9 Prozent. Von 2021 bis 2025 gab es mehr als eine Verdoppelung von 5000 Fällen auf über 11.500 Fälle.

Die Strafhandlungen würden sich "zunehmend in den digitalen Raum verlagern", betonte der Präsident des Bundeskriminalamtes (BKA), Holger Münch. Dabei gehe es insbesondere um Missbrauchshandlungen ohne Körperkontakt wie das so genannte Cybergrooming - also das gezielte Ansprechen Minderjähriger im Internet mit sexueller Absicht - oder das Phänomen des Livestreamings. Dabei verfolgen Täter per Livestream einen Missbrauch von Kindern oder Jugendlichen. Ein "Hotspot" seien dabei die Philippinen, sagte Münch.

Auch die Nutzung von Künstlicher Intelligenz (KI) spielt eine immer größere Rolle bei Missbrauchshandlungen. So könnten "auch ohne großes Wissen aus harmlosen Aufnahmen Kinder- und Jugendpornografische Inhalte erstellt" werden, sagte der BKA-Präsident.

"Da wird deutlich, dass wir es hier mit einem anwachsenden, steigenden Phänomen zu tun haben, dem wir auch in aller Deutlichkeit entgegentreten müssen", sagte Dobrindt. Der Bundesinnenminister verwies dabei auf die neuen Möglichkeiten der KI bei der Auswertung von Bildmaterial. Die Speicherung von IP-Adressen mache es zudem möglich, Tätern auf die Spur zu kommen. Dazu ist eine Gesetzesänderung bereits im parlamentarischen Verfahren und soll im Herbst vom Bundestag beschlossen werden. Dobrindt verwies auch auf die Notwendigkeit einer stärkeren internationalen Zusammenarbeit bei der Missbrauchsbekämpfung und sprach sich für einen Missbrauchsbeauftragten auf europäischer Ebene aus.

In Deutschland gibt es mit Kerstin Claus eine Unabhängige Bundesbeauftragte gegen sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen. Nach ihren Angaben kann das Bundeslagebild "das tatsächliche Ausmaß der sexuellen Gewalt, der Jugendliche im Netz tagtäglich ausgesetzt sind, nicht ansatzweise abbilden". Die Zahlen zeigten nicht, "wie sehr Jugendliche Zielscheibe von Tätern insbesondere im Netz sind", sagte Claus.

Jugendliche würden über Social Media und Online-Spiele zu Opfern von Cyber-Grooming, sexueller Erpressung oder organisierter sexueller Ausbeutung. Auch diese Realität bilde das aktuelle Bundeslagebild nicht ab - "entweder, weil die Taten nicht über das Sexualstrafrecht erfasst werden, oder weil sie strafrechtlich gesehen nicht verboten sind". So sei Cyber Grooming bislang nur dann strafbar, wenn es ein Kind trifft.

Insgesamt wurden laut Lagebild 2025 in Deutschland 17.126 Fälle des sexuellen Missbrauchs von Kindern registriert - 4,7 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Bei Missbrauchsfällen an Jugendlichen gab es einen Zuwachs um 4,0 Prozent auf 1239 Fälle. 2024 hatte es in beiden Fallgruppen einen leichten Rückgang gegeben, die neuen Zahlen überstiegen aber jeweils auch die Werte für 2023. Eine deutliche Mehrheit der Opfer war weiblich.

Bei den Tatverdächtigen handelte es sich überwiegend um alleinhandelnde Männer. In mehr als der Hälfte der Fälle bestand eine Vorbeziehung zwischen Opfern und Tatverdächtigen.

Einen Rückgang gab es dagegen bei Fällen mit kinderpornografischen Inhalten. Hier waren die meisten Tatverdächtigen Minderjährige.

Der stellvertretende Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Alexander Poitz, forderte im Kampf gegen sexualisierte Gewalt an Kindern und Jugendlichen eine grundlegende Modernisierung von Polizei und Justiz. Dabei seien auch externe Fachkräfte wie IT‑Spezialisten nötig, sagte Poitz den Sendern RTL und ntv.

W.Cheng--ThChM