The China Mail - Sammlung Haupt: Was Geld über uns Menschen verrät

USD -
AED 3.67296
AFN 64.502137
ALL 81.031648
AMD 363.3402
ANG 1.790365
AOA 917.999879
ARS 1524.855199
AUD 1.424704
AWG 1.80125
AZN 1.687415
BAM 1.7198
BBD 2.014334
BDT 123.134148
BGN 1.683441
BHD 0.37695
BIF 3000
BMD 1
BND 1.278343
BOB 12.245759
BRL 5.225195
BSD 1.000132
BTN 95.938305
BWP 13.673816
BYN 3.027326
BYR 19600
BZD 2.011326
CAD 1.41725
CDF 2324.999871
CHF 0.831905
CLF 0.024509
CLP 967.770101
CNY 6.71045
CNH 6.711298
COP 3372.09
CRC 454.20569
CUC 1
CUP 24.002462
CVE 97.299789
CZK 21.461502
DJF 177.720228
DKK 6.575702
DOP 55.875004
DZD 133.835803
EGP 52.101198
ERN 15
ETB 162.972098
EUR 0.87978
FJD 2.237197
FKP 0.754816
GBP 0.754345
GEL 2.614996
GGP 0.754816
GHS 11.655021
GIP 0.754816
GMD 74.0002
GNF 8753.000057
GTQ 7.637958
GYD 209.257745
HKD 7.84535
HNL 26.846287
HRK 6.626204
HTG 130.885748
HUF 322.999504
IDR 18004.4
ILS 3.079597
IMP 0.754816
INR 95.98505
IQD 1310.042516
IRR 1374849.999891
ISK 120.530161
JEP 0.754816
JMD 158.315197
JOD 0.708972
JPY 157.401957
KES 129.649837
KGS 87.448498
KHR 4059.056814
KMF 432.99971
KPW 900.000318
KRW 1360.240301
KWD 0.30882
KYD 0.833443
KZT 439.793707
LAK 22439.127338
LBP 89556.106612
LKR 331.022111
LRD 172.008688
LSL 16.434096
LTL 2.95274
LVL 0.60489
LYD 6.397263
MAD 9.630717
MDL 17.680991
MGA 4387.052523
MKD 54.140561
MMK 2099.83552
MNT 3596.071123
MOP 8.080829
MRU 40.062785
MUR 47.470006
MVR 15.450117
MWK 1734.1564
MXN 17.987901
MYR 4.0816
MZN 63.909646
NAD 16.434096
NGN 1324.520171
NIO 36.800429
NOK 9.54086
NPR 153.505837
NZD 1.764914
OMR 0.384504
PAB 1.000079
PEN 3.398334
PGK 4.52425
PHP 62.488976
PKR 277.095071
PLN 3.843745
PYG 5873.947548
QAR 3.645277
RON 4.642032
RSD 103.277036
RUB 84.482687
RWF 1476.596231
SAR 3.755913
SBD 8.064647
SCR 13.98971
SDG 601.49897
SEK 9.959195
SGD 1.277701
SHP 0.755002
SLE 24.650044
SLL 20969.491881
SOS 571.60445
SRD 37.686031
STD 20697.981008
STN 21.545091
SVC 8.750324
SYP 13002.000254
SZL 16.429972
THB 33.595467
TJS 9.225649
TMT 3.51
TND 2.961507
TOP 2.40776
TRY 48.9913
TTD 6.787754
TWD 31.793398
TZS 2635.002996
UAH 44.876871
UGX 3914.861437
UYU 40.089518
UZS 11815.811573
VES 852.43145
VND 25974.5
VUV 117.801098
WST 2.745718
XAF 577.09798
XAG 0.016489
XAU 0.000243013956
XCD 2.70255
XCG 1.802386
XDR 0.707052
XOF 577.09798
XPF 104.870231
YER 236.64964
ZAR 16.398101
ZMK 9001.196085
ZMW 19.476614
ZWL 321.999592
SSP 5712.591899
MXV 2.037083
  • Goldpreis

    0.7000

    4169.1

    +0.02%

  • EUR/USD

    -0.0012

    1.1361

    -0.11%

  • Euro STOXX 50

    -1.5400

    6301.28

    -0.02%

  • MDAX

    -135.7100

    30895.59

    -0.44%

  • SDAX

    124.0200

    18248.52

    +0.68%

  • TecDAX

    -6.3300

    3969.15

    -0.16%

  • DAX

    -34.1800

    25374.42

    -0.13%

Sammlung Haupt: Was Geld über uns Menschen verrät
Sammlung Haupt: Was Geld über uns Menschen verrät

Sammlung Haupt: Was Geld über uns Menschen verrät

Dreißig Silberlinge, mehr als 300 Kunstwerke und eine Frage, die weit über den Kunstmarkt hinausreicht: Was ist uns etwas wert? Die Berliner Sammlung von Stefan Haupt untersucht das Verhältnis von Geld, Macht und Gesellschaft. Neue Erwerbungen und die seit dem 15. September 2026 bestehende Ausstellung „Coverbilder im Original“ zeigen, wie gegenwärtig dieses Thema bleibt.

Textgröße:

Ein Geldschein lässt sich ausgeben, verschenken, aufbewahren – oder in ein Kunstwerk verwandeln. Dann gerät seine vermeintlich eindeutige Bedeutung ins Rutschen. Ist das bedruckte Papier noch Zahlungsmittel, bereits ein Sammlerstück oder vor allem der Träger einer Idee? Die Sammlung Haupt setzt genau an dieser Unsicherheit an. Ihr Gegenstand ist nicht die Vermehrung von Geld, sondern die Frage, was Geld mit Menschen macht und welche Vorstellungen Menschen mit ihm verbinden. Der Berliner Rechtsanwalt und Kunstsammler Prof. Dr. Stefan Haupt hat dafür einen Bestand von inzwischen mehr als 300 Arbeiten zusammengetragen.

Unter dem Titel „Dreißig Silberlinge – Kunst und Geld“ begegnen sich Malerei, Fotografie, Objekte, Druckgrafik, Künstlerbücher, Video und digitale Kunst. Gemeinsam ist ihnen kein bestimmter Stil, sondern ein Untersuchungsgegenstand: Geld als Material, Versprechen, gesellschaftliche Ordnung und Anlass zum Widerspruch. Das unterscheidet diese Sammlung von einer Münzsammlung. Nicht Seltenheit und Erhaltungszustand von Zahlungsmitteln stehen im Zentrum, sondern deren künstlerische Umdeutung.

Einen aktuellen Zugang eröffnet die Ausstellung „Coverbilder im Original“, deren Vernissage für den 15. September 2026 um 18 Uhr beim Verband Deutscher Bürgschaftsbanken in Berlin angekündigt ist. Gezeigt werden sollen ausgewählte Werke, die zuvor auf den Titelseiten des Magazins Stiftung&Sponsoring erschienen sind. Kurator ist Dr. Hermann Büchner. Der Wechsel von der gedruckten Abbildung zum Original wirft seinerseits eine zentrale Frage auf: Was entdecken wir an einem Werk, wenn es nicht mehr nur als Bild zirkuliert, sondern als Gegenstand vor uns steht?

Ein Zehn-Dollar-Schein verändert den Blick
Haupts Sammlertätigkeit begann 1993; zunächst interessierte er sich besonders für Fotografie. Seine beruflichen Begegnungen mit Künstlern und Galerien führten über die juristischen Fragen hinaus zu einer wachsenden Beschäftigung mit den Werken selbst. Später rückte das Geld als verbindendes Thema in den Vordergrund. In einem ausführlichen Sammlerinterview beschrieb Haupt die inhaltliche Aussage sowie die künstlerische und handwerkliche Umsetzung als entscheidende Erwerbungskriterien – nicht den monetären Wert eines Kunstwerks.

Eine Schlüsselstellung nimmt „Money for Art“ von Lee Mingwei ein. Der Künstler gab zu Skulpturen gefaltete Zehn-Dollar-Scheine an verschiedene Menschen weiter und verfolgte, wie diese damit umgingen. Einige behandelten sie als Geld und gaben sie aus; andere bewahrten die Faltungen auf. Haupt erläuterte diesen Ausgangspunkt seiner thematischen Sammlung auch in einem 2024 veröffentlichten Gespräch: Ihn interessierte, dass derselbe Gegenstand von seinen Empfängern grundverschieden bewertet wurde.

Der Versuch braucht keine spektakuläre Summe, um weitreichend zu sein. Wer den Schein entfaltet und damit bezahlt, zerstört seine skulpturale Form, erhält dafür aber einen konkreten Gebrauchswert. Wer ihn bewahrt, verzichtet auf diese Verwendung und entscheidet sich für eine andere Bedeutung. Das Kunstwerk legt nicht fest, welche Entscheidung richtig ist. Es macht vielmehr sichtbar, dass Wert nicht allein am Gegenstand haftet, sondern im Verhältnis zwischen Gegenstand und Mensch entsteht.

Darin liegt ein produktiver Ausgangspunkt für die gesamte Sammlung. Kunst über Geld muss weder Reichtum feiern noch Armut illustrieren. Sie kann eine Versuchsanordnung sein, in der alltägliche Entscheidungen plötzlich als Entscheidungen erkennbar werden. Ein vertrauter Geldschein reicht aus, um den Unterschied zwischen Preis, Bedürfnis, Erinnerung und persönlicher Bindung freizulegen.

Dreißig Silberlinge: Der Preis ist nicht der Wert
Schon der Sammlungstitel widerspricht einer neutralen Betrachtung des Geldes. Die dreißig Silberlinge verweisen auf die biblische Erzählung vom Verrat des Judas. Geld erscheint hier nicht bloß als praktisches Tauschmittel, sondern im Zusammenhang mit Loyalität, Schuld und käuflichem Handeln. Haupt verbindet den Titel ausdrücklich mit der Frage, welche Bedeutung Menschen dem Geld gegenüber anderen Werten einräumen.

Diese Perspektive verhindert, dass Geldkunst auf dekorative Banknotenbilder reduziert wird. Interessant wird sie dort, wo eine Zahl keine befriedigende Antwort mehr gibt: Was kostet Aufmerksamkeit? Was ist eine Stunde Arbeit wert? Kann ein Preis etwas über die Qualität einer Idee aussagen? Und was geschieht, wenn der finanzielle Erfolg eines Werkes wichtiger wird als das, was es ausdrückt?

Die Sammlung enthält auch Arbeiten, die dem Geld eine andere soziale Funktion zuschreiben. Bei Germaine Koh wird eine mit „I will“ beschriftete Münze zum Träger eines Versprechens. Dadara stellt mit „One Like/ Love“ andere Formen der Anerkennung neben die gewohnten Währungen. Beide Positionen waren im Zusammenhang mit der Ausstellung im Berliner Bode-Museum zu sehen. Sie verschieben den Blick von Besitz und Bezahlung zu Beziehung und Gegenseitigkeit.

Ein Schafskopf und die Mechanik der Aufmerksamkeit
Wie unmittelbar sich die Frage nach dem Kunstwert inszenieren lässt, zeigt „The Value of Art – Sheep’s Head“ von Christa Sommerer und Laurent Mignonneau. Ein älteres Gemälde wird mit einem Sensor und einem Drucker auf Thermopapier verbunden. Die Anwesenheit von Betrachtern lässt den ausgewiesenen Preis steigen. Nicht eine Veränderung des Gemäldes, sondern die registrierte Zuwendung setzt den Mechanismus der Wertsteigerung in Gang.

Der Witz liegt darin, dass der Sensor keine vertiefte Auseinandersetzung mit dem Bild voraussetzt. Auch bloße Präsenz kann den Vorgang auslösen. Damit lässt sich die Arbeit als Modell einer Bewertung lesen, die Sichtbarkeit mit Bedeutung verwechselt. Was häufig beachtet wird, gewinnt an Gewicht – ob diese Aufmerksamkeit aus Verständnis, Neugier oder Zufall entsteht, bleibt offen.

Das Werk stellt zugleich die Betrachtenden selbst auf die Probe. Wer stehen bleibt, untersucht nicht nur eine Kritik des Kunstmarktes, sondern wird Teil des dargestellten Verfahrens. Die Distanz zwischen Beobachtung und Beteiligung schrumpft. Besonders scharf ist daran nicht die Behauptung, Kunstpreise seien grundsätzlich beliebig. Es ist die präzisere Frage, welche Informationen ein Preis eigentlich enthält – und welche er verschweigt.

Einen verwandten Zusammenhang bringt Alicja Kwades „Treibwerk“ aus dem Jahr 2013 auf eine andere Form. Acht Euromünzen verschiedener Nennwerte sind in einer Reihe angeordnet; ihre Ränder wurden so verändert, dass sie wie Zahnräder ineinandergreifen. Doch die Münzen haften unbeweglich auf ihrem Untergrund: Das scheinbare Uhrwerk steht still. Die Arbeit gehört zum Bestand der Sammlung und wurde 2025 in der begleitenden Werkreihe vorgestellt.

Die Münzen behalten die Erinnerung an ihre frühere Funktion und werden zugleich Bestandteile eines anderen Systems. Als Interpretation liegt die Frage nahe, ob Geld hier etwas antreibt oder selbst angetrieben wird. Das Bild einer geordneten Maschine kann ebenso für Verlässlichkeit stehen wie für einen Zusammenhang, dem sich seine einzelnen Teile nicht entziehen können.

Neue Erwerbungen: Arbeit, Zeit und die Sprache des Konsums
Die 2026 veröffentlichten Neuvorstellungen zeigen, dass der Bestand nicht bei einer historischen Auswahl bekannter Geldmotive stehen bleibt. Im Januar stellte die Sammlung Charlie Steins „Mindestlohn“ vor, eine Arbeit von 2011. Ausgangspunkt ist die Reproduktion eines Kassenbelegs, dessen Bedeutung sich über eine besondere Lesart erschließt. Ein unscheinbares Dokument aus dem Konsumalltag wird damit zum Träger einer sozialen Frage.

Der Kassenbon eignet sich dafür gerade wegen seiner Sachlichkeit. Er hält fest, was eine Ware kostet, erzählt aber zunächst nichts darüber, unter welchen Bedingungen sie hergestellt wurde und wie viel Arbeit jemand leisten muss, um sie kaufen zu können. Im Zusammenhang mit dem Titel „Mindestlohn“ lässt sich diese Lücke als eigentlicher Gegenstand der Arbeit lesen. Der Beleg dokumentiert einen Austausch und öffnet gleichzeitig den Blick auf das, was in seiner Rechnung nicht vorkommt.

Im Juli folgte die Vorstellung von Julia Herfurths „Zeit ist Geld – Geld ist Zeit“. Auf dem 2017 entstandenen Blatt erscheinen die beiden Sätze in fortgesetzter handschriftlicher Wiederholung, vorwärts und rückwärts. Die Arbeit entstand im Rahmen des Projekts „SWEAT SHOP“, das Kunstproduktion unter Wettbewerbs- und Zeitdruck inszenierte. Für die Herstellung eines beauftragten Werkes standen den beteiligten Künstlerinnen und Künstlern jeweils 30 Minuten zur Verfügung.

Hier wird der ökonomische Zusammenhang nicht nachträglich illustriert. Er greift in die Entstehung des Werkes selbst ein. Die Schrift dokumentiert eine Tätigkeit, die innerhalb eines vorgegebenen Zeitfensters stattfinden musste. Zugleich lässt sich die Umkehrung des bekannten Satzes als Einwand lesen: Geld kann Zeit verfügbar machen, aber verbrachte Lebenszeit nicht zurückholen. Die scheinbare Gleichung bleibt ungleich.

Wenn die Farbe des Geldes auf der Haut erscheint
Einen anderen Zugang entwickelt Janine Mackenroth mit „THE EURO COLLECTION“, die im Mai 2026 als Neuzugang der Sammlung vorgestellt wurde. Die Künstlerin überträgt die Farbtöne der sieben Euro-Banknoten in eine Nagellackedition. Die einzelnen Lacke sind im künstlerischen Preiskonzept dem Nennwert des jeweiligen Geldscheins zugeordnet. Aus der Farbe wird damit nicht nur ein gestalterisches, sondern auch ein ökonomisches Unterscheidungsmerkmal.

Zur abgeschlossenen Kollektion gehören außerdem 49 einzigartige Nagellackmalereien, die mit den Farbtönen eine Sammleredition bilden. Am 2. Mai 2026 wurde in der Berliner Galerie aquabitArt die Einheit 1/49 an Stefan Haupt übergeben. Im August war Mackenroths Arbeit Gegenstand des inzwischen 60. Beitrags der Reihe zu Werken der Sammlung in Stiftung & Sponsoring.

Die Arbeit lässt sich als Untersuchung darüber lesen, wie gesellschaftlicher Status sichtbar wird. Die Grenze zwischen künstlerischem Material, Konsumprodukt und äußerer Selbstdarstellung bleibt absichtlich durchlässig. Ein Farbton, der zunächst geschmacklich gewählt erscheint, trägt auf einmal einen Preis und einen Bezug zu einer Währung. Das Geld wird nicht abgebildet, sondern in eine andere Alltagspraxis übersetzt.

Im Zusammenhang mit Stein und Herfurth ergibt sich daraus ein bemerkenswerter Dreiklang. Ein Kaufbeleg, ein beschriebenes Blatt und ein Nagellackflakon führen auf verschiedene Weise zu Arbeitsbedingungen, Zeit und sozialer Bewertung. Gerade die Verschiedenheit der Mittel verhindert eine schematische Geldkritik. Die Sammlung gewinnt neue Perspektiven, statt ein einziges Argument mit immer ähnlichen Bildern zu wiederholen.

Der Geldschein als Bild, der Geldkoffer als Erzählung
Geld ist in der Sammlung nicht nur ein physischer Gegenstand. Pete Jones untersucht Banknoten fotografisch, unter anderem durch Durchleuchtung und stark vergrößerte Detailansichten. Seine 2018 entstandene Arbeit „Glaube | Liebe | Hoffnung“ wurde im Juni 2026 in der begleitenden Publikationsreihe vorgestellt. Der vertraute Schein wird dabei zum Bildraum, dessen visuelle Strukturen im gewöhnlichen Zahlungsverkehr leicht übersehen werden.

Karen Koltermanns Videoarbeit „Der Geldkoffer“, deren Aufnahme in die Sammlung im März 2026 vorgestellt wurde, arbeitet dagegen mit dem Zusammenspiel von Film und inszenierter Handlung. Das 2001 entstandene Werk montiert Ausschnitte aus drei Spielfilmen mit einer eigens gedrehten Szene. Darin wird der leere Koffer der Künstlerin von einem Bankmitarbeiter mit 100-DM-Scheinen gefüllt.

Diese Gegenüberstellung zeigt, wie unterschiedlich Geld künstlerisch verhandelt werden kann. Die Fotografie macht aus dem schnellen Wiedererkennen ein langsames Sehen. Das Video untersucht die Bilder und Erwartungen, die sich mit einer bestimmten Form des Geldbesitzes verbinden. Beide Ansätze lösen sich von der bloßen Darstellung einer Summe. Sie fragen nach den kulturellen Vorstellungen, durch die Geld seine Wirkung entfaltet.

Aus der Privatsammlung in die öffentliche Debatte
Die Geschichte der Sammlung ist auch eine Geschichte wechselnder Ausstellungskontexte. Im Bode-Museum ergänzten Werke aus dem Bestand 2016 und 2017 die Ausstellung „Kunst prägt Geld: MUSE MACHT MONETEN“. Das Münzkabinett verband dabei historische und zeitgenössische Perspektiven mit künstlerischen Fragen nach Freiheit, Macht und ökonomischer Abhängigkeit. Die Leihgaben aus der Sammlung bildeten eine der drei Säulen des Ausstellungskonzepts.

2018 wurden Teile der Sammlung unter dem Titel „GELD – WAHN – SINN“ in den Berliner Reinbeckhallen präsentiert, kuratiert von Lena Fließbach. Während im Münzkabinett die Nähe zur Geschichte des Geldes besonders deutlich wurde, bot die Ausstellung in den Reinbeckhallen einen weiteren Kontext für die Auseinandersetzung mit zeitgenössischer Geldkunst. Solche Ortswechsel sind für eine thematische Sammlung mehr als Stationen einer Vita: Sie verändern die Nachbarschaften und damit die möglichen Lesarten der Werke.

Hinzu kommt die seit 2013 bestehende Zusammenarbeit mit dem Verband Deutscher Bürgschaftsbanken. Kunst über Geld wird hier in einer Institution gezeigt, deren Tätigkeit selbst mit Finanzierung verbunden ist. Dieser Zusammenhang kann produktive Reibung erzeugen. Die Werke sprechen nicht ausschließlich zu einem Kunstpublikum, sondern treffen auf einen beruflichen Alltag, in dem Risiko, Kredit und wirtschaftliche Bewertung konkrete Aufgaben sind.

Auch im Hochschulkontext wurde das Thema 2026 aufgegriffen. Für den 27. Januar verzeichnete die Universität Tübingen Haupts Vortrag „Kunst und Geld – Das Geld in der Kunst“ innerhalb einer Ringvorlesung zu den Beziehungen zwischen Geld, Eucharistie, Wissenschaft, Kunst und Religion. Die Themenstellung zeigt, wie weit die Sammlung über Fragen von Kauf und Verkauf hinausweist: zur symbolischen Verwandlung von Dingen und zu den Überzeugungen, die ihnen Geltung verschaffen.

„Coverbilder im Original“: Vom zirkulierenden Bild zum Gegenstand
Mit der September-Ausstellung kehrt eine Auswahl von Werken aus ihrer medialen Verbreitung in den Ausstellungsraum zurück. Seit Oktober 2016 werden Arbeiten der Sammlung in Stiftung & Sponsoring vorgestellt. Die Reihe umfasst inzwischen 60 Beiträge. Am Anfang stand Michael Timpsons „A Horse Man Rode Out“. Für die neue Schau sind unter anderem Werke Katharina Arndt, Thomas Baumgärtel, Dadara, Lex Drewinski, Maria Fisahn, Joachim Froese, Pete Jones, Anne Jud, Helmut King, Slava Ostap Osinski, Maximilian Roganov, Jürgen Schieferdecker, Reiner Schwarz, Jonny Star, Rirkrit Tiravanija, Philipp Valenta, Helmut Zobl angekündigt.

Darin liegt eine reizvolle Besonderheit dieses Ausstellungsansatzes. Ein Titelbild muss auf kleinem Raum Aufmerksamkeit gewinnen. Im Original treten dagegen Maße, Material, Oberfläche und räumliche Wirkung hinzu. Eine Münzarbeit verhält sich anders als ihre Fotografie, eine Collage anders als ihr flacher Druck. Die Ausstellung lässt sich deshalb auch als Einladung verstehen, die Geschwindigkeit der Bildzirkulation zu unterbrechen und die Werke neu zu prüfen.

Die journalistische und kuratorische Begleitung erweitert dieses Angebot. Die Website dokumentiert nicht nur Termine, sondern erläutert Erwerbungen, verbindet sie mit bereits vorhandenen Arbeiten und verweist auf weiterführende Werktexte. In der Zusammenschau entsteht ein fortlaufendes öffentliches Arbeitsprotokoll der Sammlung: sichtbar werden Auswahlentscheidungen, wiederkehrende Fragen und neue künstlerische Verfahren.

Eine Sammlung, die auch ihre eigenen Bedingungen berührt
Die Beschäftigung mit Geld bewahrt eine Kunstsammlung nicht davor, selbst Teil ökonomischer Beziehungen zu sein. Auch kritische Arbeiten werden gekauft, besessen, versichert und ausgestellt. Dieser Widerspruch lässt sich nicht durch eine moralische Etikettierung auflösen. Gerade deshalb ist entscheidend, ob die Werke nur als dekorative Bestätigung dienen oder die Bedingungen ihres eigenen Umlaufs tatsächlich zur Diskussion stellen.

Haupt hat den Vorrang der inhaltlichen Auseinandersetzung wiederholt betont. Bereits im Sammlerinterview von 2016 sprach er außerdem über die bewusste Erweiterung um digitale Kunst und um Positionen von Künstlerinnen. Die Neuvorstellungen des Jahres 2026 können vor diesem Hintergrund als Fortsetzung einer längerfristigen Öffnung gelesen werden. Sie vergrößern nicht lediglich den Bestand, sondern verändern die Fragen, die sich mit ihm stellen lassen.

Die Sammlung überzeugt dort, wo sie das scheinbar Eindeutige wieder offen macht. Ein Geldschein kann Kaufkraft, Erinnerung oder Skulptur sein. Ein Preis kann etwas erklären und gleichzeitig Entscheidendes verdecken. Ein Kunstwerk kann den Markt kritisieren, ohne außerhalb dieses Marktes zu stehen. Aus solchen Spannungen entsteht kein geschlossenes Lehrgebäude, sondern ein Angebot zum genauen Hinsehen.

Aktuell befindet sich Prof. Dr. Stefan Haupt überdies in Gesprächen mit dem rumänischen Geschäftsmann Alex Bodi, welcher die Ausstellung nach Bukarest (Rumänien) bringen und dort den Menschen zeigen möchte.

Geld beziffert, was sich bezahlen lässt, gerade in digitalen Zeiten der Gegenwart. Die Sammlung Haupt https://www.Sammlung-Haupt.de richtet den Blick gerade deshalb auf das, was mit einer einzigen Zahl noch lange nicht erklärt ist.

M.Motin